Cannabis-Sorten im Überblick: Eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt

Die meisten Samen der verschiedenen Cannabis-Arten, die es heutzutage käuflich zu erwerben gibt, entstammen nicht mehr natürlichen Ursprungs. Ihre genaue Anzahl ist zudem schwerlich exakt zu bestimmen. Es wird geschätzt, dass mehr als tausend verschiedener Arten von Hanfsamen in Umlauf sind.

Hybriden wie die beliebte Amnesia Haze Sorte wurden von einer Armee von Anbauern, Pflanzern und Landwirten über die Jahre hinweg gezüchtet, verbessert und verfeinert. Dabei gehen sogar ertragreichste Hanfsorten heutzutage auf nur zwei, genauer gesagt drei Arten zurück.

Die ersten Klassifizierungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Carl von Linné, ein schwedischer Naturforscher, entdeckte die sogenannten Cannabis sativa Sorten. Jean-Baptiste de Lamarck, ein französischer Botaniker, Zoologe und Entwicklungsbiologe, teilte dann 1785 anhand morphologischer Merkmale und der berauschenden Fähigkeiten den indischen Hanf (Cannabis indica) ab.

Es dauerte weitere 140 Jahre, bis die dritte und letzte Gattung vom russischen Botaniker Dimitrij E. Janischewsky beschrieben wurde und mit dem Namen Cannabis ruderalis in die Lehrbücher einzog. Letztere wird inzwischen nicht mehr als eigene Cannabis-Art geführt, sondern den Sativa-Sorten zugeschlagen.

Cannabis Sativa, die elegante Schönheit

Die Cannabis Sativa hat ihren Ursprung in den Tropen. Dadurch gewinnt sie im Vergleich zu ihren Schwesterpflanzen eine stattliche Höhe, da die vielen Sonnenstunden für eine ausgeprägte Fotosynthese sorgen. Die Pflanzen werden in der Regel über 2 Meter hoch. Die Blätter gleichen langen, schmalen Fingern. Besonders die weiblichen Pflanzen federn zu den Blattenden hin aus. Das Laub ist eher spärlich ausgebildet, um bei der hohen Luftfeuchtigkeit, welche in diesen Breiten vorherrscht, dem Schimmelbefall vorzubeugen.

Die Sativa blüht schon während der Wachstumsphase. Dabei bilden sich die ersten Blüten an den Nodien aus. Danach beginnen sie sich, über die ganze Länge des Stiels und der Zweige auszubreiten. Die reinen Sativa-Sorten benötigen in der Regel eine sechsmonatige, kombinierte Wachstums- und Blütephase. Neben den bekannten Anwendungen als Rauschmittel eignen sich die langen Fasern der Pflanze für Stoffe, um robuste Kleidung anzufertigen. Zudem können damit starke Seile produziert werden.

Cannabis Indica, das stämmige Kraftpaket

Lamarck benannte die Pflanze nach dem Subkontinent, weil er seine Versuchsproben aus Indien bekam. Heute liegen die größten Anbaugebiete allerdings in der südasiatischen Region und dort vornehmlich in Afghanistan.

Die Indica wird in den seltensten Fällen zwei Meter hoch. Dafür zeichnet sie sich durch einen kompakten und buschigen Wuchs aus. Ihr Laub ist von satter, dunkelgrüner Farbe, manche Exemplare weisen Blautöne bis hin zu schwarz-grünen Schattierungen auf. Die Blätter gleichen kurzen, breiten Fingern.

Im Gegensatz zur Sativa sind Wachstums- und Blütephase zeitlich voneinander getrennt. Im Frühling und Sommer steckt die Pflanze ihre Energie ins Wachstum. Im Spätsommer und Herbst knospen dann die Blüten. Während des Anbaus werden im ersten Blütestadium die männlichen Pflanzen aussortiert. Die Blüten der weiblichen Pflanzen werden dann medizinischen Zwecken zugeführt. Die Fasern sind wegen ihrer Kürze zur Produktion von Stoffen eher ungeeignet.

Cannabis Ruderalis, die widerstandsfähige Nomadin

Die Ruderalis wächst für gewöhnlich auf Brachflächen und am Straßenrand. Sie ist in Mitteleuropa und Zentralasien heimisch. Dabei ist sie eher von kleinem Wuchs und erreicht je nach klimatischen Bedingungen Höhen zwischen 30 und 80 Zentimetern.

Die wenigen Zweige bringen ähnlich der Indica breite Blätter mit dicken Fingern hervor. Nach fünf bis sieben Wochen treibt die selbstblühende Pflanze die ersten Knospen aus. Selbstblütler richten sich dabei nicht nach den Lichtverhältnissen, um die Blütephase zu starten, sondern reagieren auf ein Stadium des eigenen Reifeprozesses. Die Blüte dauert dann so lange, bis die kalte Jahreszeit die Pflanze absterben lässt.

Die Ruderalis hat sich optimal an kurze Sommer angepasst. Sie kann ihren kompletten Lebenszyklus vom Samenkorn bis zur Samenproduktion innerhalb von zehn Wochen abschließen. Die Samen überleben selbst in gefrorenen Böden mindestens eine Periode. Die Wirkstoffe der Hanfsorte sind eher für medizinische Zwecke geeignet. Durch ihre Widerstandsfähigkeit und ihre schnelle Wachstumsphase wird sie oft zu Kreuzungen und Züchtungen für spezielle Haze-Sorten herangezogen.

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