Echter Baldrian pflanzen, pflegen und ernten

Echter Baldrian ist mehr als eine hübsche Wildstaude mit duftenden Blüten. Wer Valeriana officinalis im Garten pflanzt, holt sich eine robuste, mehrjährige Heilpflanze ins Beet, die feuchte Standorte liebt, Insekten anzieht und im zweiten Jahr wertvolle Wurzeln bildet. Gerade für naturnahe Gärten, Kräuterbeete, Teichränder und größere Balkonkästen ist Baldrian eine spannende Wahl. Wichtig sind ein frischer bis feuchter Boden, ausreichend Platz und Geduld bei der Ernte. Denn verwendet werden vor allem die Wurzeln, nicht die Blüten.

Echter Baldrian pflanzen, pflegen und ernten
Echter Baldrian pflanzen, pflegen und ernten

Das Wichtigste in Kürze

  • Standort: sonnig bis halbschattig, gern frisch bis feucht, nährstoffreich und humos.
  • Aussaat: Baldrian ist ein Lichtkeimer. Samen nur andrücken, nicht dick mit Erde bedecken.
  • Pflanzabstand: im Beet etwa 40 bis 50 cm einplanen, da die Staude bis über 1 m hoch werden kann.
  • Pflege: gleichmäßig feucht halten, Staunässe im Topf vermeiden, im Frühjahr mit Kompost versorgen.
  • Ernte: die Baldrianwurzel wird meist im zweiten Jahr im Herbst geerntet, gereinigt, zerkleinert und schonend getrocknet.

Echter Baldrian im Überblick

Merkmal Empfehlung / Eigenschaft
Botanischer Name Valeriana officinalis
Pflanzenart mehrjährige, winterharte Staude
Wuchshöhe je nach Standort etwa 80 bis 150 cm, teils auch höher
Blütezeit meist Mai bis Juli, je nach Region und Standort auch bis in den August
Blütenfarbe weiß bis zartrosa
Standort sonnig bis halbschattig, frisch bis feucht
Boden humos, nährstoffreich, tiefgründig, nicht dauerhaft vernässt
Aussaat März bis April im Haus, ab Mai direkt ins Beet
Ernte Wurzelernte meist im zweiten Jahr, ideal im Herbst
Besonderheit Nektarpflanze für Schmetterlinge und bekannte traditionelle Heilpflanze

Warum sich Echter Baldrian im Garten lohnt

Echter Baldrian passt besonders gut in Gärten, die nicht nur ordentlich aussehen, sondern auch ökologisch etwas leisten sollen. Die hohen, lockeren Blütenstände wirken natürlich und bringen Leichtigkeit ins Beet. Sie passen zu Wildstauden, Teichpflanzen, Kräutern und Bauerngartenpflanzen. Im Gegensatz zu vielen mediterranen Kräutern mag Baldrian keinen knochentrockenen Boden. Genau das macht ihn interessant für Gartenbereiche, in denen Lavendel, Rosmarin oder Thymian schnell schwächeln würden.

Der zweite große Vorteil liegt im Nutzen für Insekten. Die hellen Blüten werden von verschiedenen Tagfaltern besucht. Wer einen naturnahen Garten anlegt, kann Baldrian daher gut mit anderen heimischen Blühpflanzen kombinieren. Schön wirkt er zum Beispiel neben Mädesüß, Blutweiderich, Wiesen-Salbei, Wasserdost oder Frauenmantel. In einem streng formal gestalteten Beet kann Baldrian dagegen schnell etwas wild aussehen. Das ist kein Fehler. Das ist sein Charakter.

Auch als Heilpflanze hat Baldrian eine lange Tradition. Wichtig ist aber eine saubere Einordnung: Im Gartenartikel geht es nicht um medizinische Versprechen, sondern um Anbau, Pflege, Ernte und sichere Verwendung im Hausgebrauch. Wer Baldrian wegen Schlafproblemen oder innerer Unruhe verwenden möchte, sollte wissen: Baldrian wirkt nicht wie ein sofortiges Schlafmittel. Viele Präparate zielen auf eine regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen ab. Bei starken, anhaltenden oder unklaren Beschwerden ist ärztlicher Rat sinnvoll.

Mehr passende Grundlagen finden Sie in der Kategorie Kräuter pflanzen und pflegen, in der Übersicht zu Pflanzen im Garten und im Bereich Pflanzenpflege.

Der richtige Standort für Baldrian

In der Natur wächst Echter Baldrian häufig an feuchten Wiesen, Gräben, Bachufern, Waldlichtungen und anderen frischen bis nassen Standorten. Daraus lässt sich für den Garten viel ableiten. Ideal ist ein Platz, der Sonne bekommt, aber nicht völlig austrocknet. Halbschatten funktioniert ebenfalls gut, vor allem in heißen Sommern oder auf leichten Böden. Vollschatten ist weniger geeignet, weil die Pflanze dort schwächer blüht und lockerer wächst.

Der Boden sollte nährstoffreich, humos und tiefgründig sein. Baldrian bildet unterirdische Rhizome und viele feine Wurzeln. Verdichtete, steinige oder sehr schwere Böden bremsen die Wurzelentwicklung. Wer später die Wurzel ernten möchte, sollte deshalb besonders auf einen lockeren Untergrund achten. Eine Grabegabel, reifer Kompost und etwas Geduld leisten hier mehr als ein Sack Kunstdünger.

Sehr trockene Sandböden sind problematisch, wenn nicht regelmäßig gegossen wird. Dauerhafte Staunässe ist im Topf ebenfalls ungünstig, obwohl Baldrian feuchte Standorte mag. Der Unterschied ist wichtig: Feucht bedeutet, dass der Boden Wasser hält, aber noch Luft an die Wurzeln lässt. Staunass bedeutet, dass die Wurzeln im Wasser stehen. Dann drohen Fäulnis und kümmerliches Wachstum.

Gute Plätze im Garten

  • Randbereiche von Teich und Bachlauf
  • frische Wildstaudenbeete
  • Kräuterbeete mit humosem Boden
  • halbschattige Beetbereiche neben Sträuchern
  • naturnahe Ecken mit Insektenpflanzen

Weniger geeignete Plätze

  • trockene Kiesbeete ohne Bewässerung
  • kleine Balkonkästen mit wenig Erde
  • dauerhaft nasse, sauerstoffarme Kübel
  • vollschattige Nordseiten
  • stark verdichtete Lehmböden ohne Lockerung

Echten Baldrian aussäen: So gelingt die Anzucht

Baldrian lässt sich gut aus Samen ziehen. Trotzdem scheitert die Aussaat oft an einem kleinen Detail: Baldrian ist ein Lichtkeimer. Die Samen dürfen deshalb nicht tief in die Erde gedrückt oder dick mit Substrat bedeckt werden. Legen Sie die Samen auf feine, angefeuchtete Aussaaterde und drücken Sie sie nur leicht an. Danach wird vorsichtig gegossen, am besten mit Sprühflasche oder feiner Brause.

Die Vorkultur im Haus gelingt ab März oder April. Der Vorteil: Die jungen Pflanzen sind geschützt, bis draußen keine stärkeren Fröste mehr drohen. Ab Mai können Sie Baldrian direkt ins Beet säen. Wichtig bleibt in beiden Fällen eine gleichmäßige Feuchtigkeit. Trocknet die Oberfläche in der Keimphase aus, bleiben die Keimlinge oft aus. Zu nass darf das Substrat aber auch nicht werden. Eine helle, nicht zu heiße Fensterbank ist meist besser als ein Platz direkt über der Heizung.

Die Keimung kann unregelmäßig sein. Das ist normal. Verwenden Sie möglichst frisches Saatgut, denn Baldriansamen verlieren mit der Zeit an Keimkraft. Sobald die Jungpflanzen mehrere kräftige Blätter gebildet haben, werden sie pikiert oder direkt an ihren endgültigen Platz gesetzt. Im Beet sollten Sie etwa 40 bis 50 cm Abstand lassen. Das wirkt anfangs großzügig, zahlt sich aber später aus. Eine ausgewachsene Baldrianstaude braucht Luft.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Aussaat

  1. Aussaattopf oder Saatschale mit lockerer, feiner Erde füllen.
  2. Substrat leicht anfeuchten, nicht durchnässen.
  3. Baldriansamen auf die Oberfläche streuen.
  4. Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken.
  5. Schale hell und gleichmäßig feucht halten.
  6. Nach der Keimung vorsichtig vereinzeln.
  7. Jungpflanzen nach den letzten stärkeren Frösten ins Beet setzen.

Baldrian als Jungpflanze setzen

Wer schneller starten möchte, setzt vorgezogene Jungpflanzen. Das ist besonders praktisch, wenn Sie nur ein oder zwei Pflanzen brauchen oder die Aussaat im Frühjahr verpasst haben. Jungpflanzen können meist von Mai bis Juni ins Beet. Wässern Sie den Wurzelballen vor dem Pflanzen gründlich. Das erleichtert das Anwachsen und verhindert Trockenstress in den ersten Tagen.

Das Pflanzloch sollte etwas größer sein als der Wurzelballen. Lockern Sie den Boden am Grund des Pflanzlochs leicht auf und mischen Sie reifen Kompost unter die Erde. Setzen Sie die Pflanze so tief ein, wie sie vorher im Topf stand. Danach gut andrücken und kräftig angießen. In den ersten zwei bis drei Wochen sollte der Boden nie komplett austrocknen.

Wenn Sie mehrere Baldrianpflanzen setzen, planen Sie ausreichend Platz ein. Die Pflanze wächst aufrecht, kann aber mit ihren hohen Blütenständen Raum einnehmen. In windoffenen Lagen ist ein Platz zwischen anderen Stauden hilfreich. Dort steht Baldrian stabiler. Alternativ können Sie einzelne hohe Pflanzen mit einem dezenten Staudenring stützen.

Echter Baldrian im Topf und auf dem Balkon

Baldrian kann auch im Topf wachsen, braucht dafür aber deutlich mehr Erdvolumen als kleine Küchenkräuter. Ein schmaler Balkonkasten ist nur eine Notlösung. Besser ist ein tiefer Kübel mit mindestens 10 bis 15 Litern Volumen pro Pflanze. Je größer der Topf, desto stabiler bleibt die Feuchtigkeit im Substrat. Genau das ist bei Baldrian der Knackpunkt.

Verwenden Sie eine hochwertige, torffreie Pflanzerde und mischen Sie bei Bedarf etwas Kompost unter. Eine Drainageschicht aus Blähton oder grobem mineralischem Material kann helfen, überschüssiges Wasser schneller abzuführen. Der Topf braucht unbedingt Abzugslöcher. Ohne Abzugslöcher entsteht Staunässe, auch wenn die Oberfläche trocken aussieht.

Auf dem Balkon steht Baldrian am besten sonnig bis halbschattig. Heiße Südbalkone mit aufgeheizten Fliesen sind schwierig, weil der Topfballen dort sehr schnell austrocknet. Dann muss im Sommer oft täglich gegossen werden. Auf einem Ost- oder Westbalkon klappt die Kultur meist entspannter. Wer die Wurzel ernten möchte, sollte bei Topfkultur realistisch bleiben: Die Ernte fällt kleiner aus als im Beet.

Weitere Ideen für passende Balkonpflanzen finden Sie im Ratgeber Pflanzen für Balkon.

Pflege von Valeriana officinalis

Einmal angewachsen, ist Echter Baldrian keine zickige Pflanze. Er braucht vor allem Wasser, lockeren Boden und etwas Nährstoffnachschub. Gießen Sie bei Trockenheit gründlich, statt jeden Tag nur oberflächlich zu wässern. Das Wasser soll in die Tiefe gelangen. So bilden sich kräftigere Wurzeln. Im Topf müssen Sie häufiger kontrollieren, weil das Substrat schneller austrocknet.

Im Beet reicht im Frühjahr meist eine Gabe reifer Kompost. Sehr magere Böden können zusätzlich mit organischem Kräuter- oder Staudendünger verbessert werden. Übertreiben Sie es nicht mit stickstoffreichem Dünger. Zu viel Stickstoff fördert weiches Blattwachstum, aber nicht unbedingt eine bessere Wurzelqualität. Für eine Heilpflanze, bei der die Wurzel zählt, ist ein gesundes, ausgewogenes Wachstum wichtiger als maximale Blattmasse.

Verblühte Blütenstände können Sie abschneiden, wenn Sie unkontrollierte Selbstaussaat verhindern möchten. Lassen Sie einige Samenstände stehen, wenn sich Baldrian im Naturgarten selbst erhalten darf. Im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile zurück. Dann können Sie die Stängel bodennah abschneiden. Die unterirdischen Rhizome überwintern im Boden und treiben im Frühjahr neu aus.

Pflegekalender für Baldrian

Monat Arbeit
März bis April Vorkultur starten, Beet vorbereiten, Kompost einarbeiten
Mai Direktsaat oder Jungpflanzen ins Beet setzen
Juni bis Juli bei Trockenheit gießen, Blüte beobachten, bei Bedarf stützen
August verblühte Stängel entfernen oder Samenstände stehen lassen
September bis Oktober Wurzelernte bei älteren Pflanzen, Pflanzen zurückschneiden
Winter im Beet kaum Pflege nötig, Topf vor starkem Durchfrieren schützen

Krankheiten und Schädlinge bei Baldrian

Baldrian ist robust, aber nicht völlig frei von Problemen. Blattläuse können junge Triebe besiedeln. Meist reicht es, sie mit Wasser abzubrausen oder Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen machen zu lassen. Bei naturnaher Pflege reguliert sich ein leichter Befall oft von selbst. Chemische Mittel sind im Kräuterbeet selten nötig und bei einer späteren Verwendung der Pflanze besonders kritisch zu sehen.

Häufiger als echte Krankheiten sind Pflegefehler. Zu trockene Erde führt zu kümmerlichem Wuchs, welken Blättern und schwacher Blüte. Zu nasse Erde im Kübel kann die Wurzeln schädigen. Verdichtete Böden hemmen die Ausbildung des Wurzelstocks. Wer Baldrian ernten möchte, sollte deshalb nicht erst im Herbst an den Boden denken. Gute Wurzeln entstehen während der ganzen Saison.

Auch Schnecken können an jungen Pflanzen knabbern. Besonders gefährdet sind frisch gepflanzte Jungpflanzen nach feuchten Nächten. Eine einfache Kontrolle am Abend hilft. In naturnahen Gärten sind mechanische Barrieren, Absammeln und eine vielfältige Struktur oft die bessere Lösung als Schneckenkorn.

Baldrian ernten: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Bei Echtem Baldrian werden vor allem die unterirdischen Pflanzenteile verwendet: Wurzelstock, Wurzeln und Ausläufer. Die beste Erntezeit liegt meist im Herbst des zweiten Jahres. Dann hat die Pflanze eine kräftige Wurzelmasse aufgebaut. Wer schon im ersten Jahr erntet, bekommt oft nur eine kleine Ausbeute. Die Blätter und Blüten sind zwar botanisch interessant, für die klassische Verwendung steht aber die Baldrianwurzel im Mittelpunkt.

Ernten Sie an einem trockenen Tag. Lockern Sie den Boden rund um die Pflanze mit einer Grabegabel und heben Sie den Wurzelstock vorsichtig heraus. Ziehen Sie nicht einfach am Stängel. Dabei reißen viele Wurzeln ab und bleiben im Boden. Nach der Ernte wird die Wurzel gründlich von Erde befreit. Waschen ist möglich, sollte aber zügig und sparsam erfolgen. Danach müssen die Wurzeln gut abtrocknen, damit sie nicht schimmeln.

Schneiden Sie dickere Wurzelstücke längs auf oder zerkleinern Sie sie in kleinere Abschnitte. So trocknen sie gleichmäßiger. Der typische Baldriangeruch entwickelt sich beim Trocknen oft stärker. Das kann intensiv sein. Manche nennen ihn erdig-würzig, andere schlicht streng. Katzen finden ihn häufig sehr spannend. Lagern Sie trocknende Wurzeln deshalb nicht offen an einem Ort, an dem Haustiere leicht herankommen.

Baldrianwurzel richtig trocknen

  1. Wurzeln vorsichtig ausgraben.
  2. Erde entfernen und bei Bedarf kurz abspülen.
  3. Wurzeln trocken tupfen und zerkleinern.
  4. An einem warmen, luftigen, schattigen Ort ausbreiten.
  5. Regelmäßig wenden.
  6. Erst einlagern, wenn die Stücke vollständig trocken sind.
  7. Luftdicht, dunkel und trocken aufbewahren.

Für die Lagerung eignen sich Schraubgläser oder gut schließende Dosen. Beschriften Sie das Gefäß mit Pflanzenname und Erntedatum. Verwenden Sie nur Material, das sicher trocken ist. Restfeuchte ist der häufigste Grund für Schimmel. Riecht die Wurzel muffig, zeigt Flecken oder fühlt sich weich an, gehört sie nicht mehr in die Hausapotheke.

Verwendung von Baldrian: Tee, Tinktur und sichere Grenzen

Baldrianwurzel wird traditionell bei nervöser Unruhe und Schlafproblemen verwendet. Im Hausgebrauch ist Tee die bekannteste Form. Dafür werden getrocknete Wurzelstücke mit heißem Wasser übergossen und ziehen gelassen. Viele Menschen empfinden den Geschmack als gewöhnungsbedürftig. Wer ihn abmildern möchte, kombiniert Baldrian mit Melisse, Hopfen oder Passionsblume. Solche Mischungen sind auch in fertigen Präparaten verbreitet.

Wichtig ist: Baldrian ist kein Notfall-Schlafmittel für eine einzelne schlaflose Nacht. Bei vielen Baldrianpräparaten wird eine kontinuierliche Anwendung über zwei bis vier Wochen beschrieben, weil die Wirkung allmählich einsetzt. Genau deshalb sollte der Artikel keine überzogenen Heilsversprechen machen. Seriös ist die Formulierung: Baldrian kann bei leichten Beschwerden unterstützend eingesetzt werden, ersetzt aber keine Diagnose und keine Behandlung bei ernsthaften Schlafstörungen.

Für Kinder unter 12 Jahren wird die Anwendung vieler Baldrianpräparate nicht empfohlen. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Baldrian wegen fehlender Sicherheitsdaten nur nach ärztlicher Rücksprache oder gar nicht verwendet werden. Vorsicht gilt auch bei gleichzeitiger Einnahme von Beruhigungs- oder Schlafmitteln. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte vorher in Apotheke oder Arztpraxis nachfragen. Nach der Einnahme kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein. Autofahren oder das Bedienen von Maschinen ist dann keine gute Idee.

Transparenzhinweis: Dieser Gartenratgeber ersetzt keine medizinische Beratung. Er erklärt Anbau, Pflege und Ernte von Echtem Baldrian. Gesundheitliche Anwendungen sollten bei Unsicherheit immer mit medizinischem Fachpersonal besprochen werden.

Verlässliche Hintergrundinformationen finden Sie unter anderem bei FloraWeb/BfN zum Arznei-Baldrian, beim NABU-Pflanzenporträt Echter Arznei-Baldrian, im FNR-Themenportal Pflanzen und in der deutschen Fachinformation zu Baldrian-ratiopharm.

Echter Baldrian im Naturgarten

Wer Baldrian nur als Heilpflanze sieht, unterschätzt ihn. Im Naturgarten ist er eine wertvolle Strukturpflanze. Die hohen Stängel bringen Höhe ins Beet, ohne massiv zu wirken. Die feinen Blütenstände schweben über niedrigeren Stauden und lockern schwere Pflanzungen auf. Besonders schön sieht Baldrian aus, wenn er nicht allein steht, sondern in kleinen Gruppen oder mit anderen feuchtigkeitsliebenden Pflanzen kombiniert wird.

Ökologisch punktet er durch seine Blüten. Verschiedene Falter besuchen Baldrian als Nektarquelle. Für einen schmetterlingsfreundlichen Garten ist er deshalb eine gute Ergänzung. Noch besser wird die Wirkung, wenn vom Frühjahr bis in den Herbst immer etwas blüht. Kombinieren Sie Baldrian zum Beispiel mit Wiesen-Schaumkraut für das Frühjahr, Blutweiderich für den Sommer und Wasserdost für den Spätsommer.

Auch die Selbstaussaat kann nützlich sein. In sehr ordentlichen Gärten stört sie vielleicht. In naturnahen Bereichen sorgt sie dafür, dass Baldrian dauerhaft im Garten bleibt. Entfernen Sie einfach Pflanzen, die an ungünstigen Stellen auflaufen. So bleibt der Bestand kontrollierbar, ohne dass jedes Samenkorn verhindert werden muss.

Häufige Fehler beim Baldrian-Anbau

Der häufigste Fehler beginnt schon bei der Aussaat: Die Samen werden zu tief bedeckt. Als Lichtkeimer brauchen sie Helligkeit, um zuverlässig zu keimen. Wer sie wie Bohnen oder Erbsen in die Erde steckt, wartet oft vergeblich. Der zweite Fehler ist Trockenstress. Baldrian mag keine ausgedörrten Böden. Gerade während Keimung, Anwachsen und Hochsommer sollte der Boden gleichmäßig feucht bleiben.

Ein weiterer Fehler ist ein zu kleiner Topf. Baldrian sieht am Anfang harmlos aus, entwickelt aber eine kräftige Staude mit deutlichem Wurzelwerk. Kleine Gefäße trocknen schnell aus und liefern wenig Raum für Wurzelwachstum. Auch die Ernte wird dann mager. Wenn Topfkultur, dann lieber ein großer Kübel als ein dekorativer Mini-Topf.

Viele ernten außerdem zu früh. Die eigentliche Baldrianwurzel lohnt sich meist erst im zweiten Jahr. Wer im ersten Sommer ungeduldig ausgräbt, schwächt die Pflanze und bekommt wenig Material. Besser ist es, die Pflanze im ersten Jahr wachsen zu lassen, sie gut zu pflegen und im zweiten Herbst gezielt zu ernten.

Fehler Folge Bessere Lösung
Samen dick mit Erde bedecken schlechte oder keine Keimung Samen nur andrücken
zu trockener Standort schwacher Wuchs, welke Blätter frischen bis feuchten Boden wählen
zu kleiner Topf schnelles Austrocknen, geringe Wurzelmasse großen, tiefen Kübel nutzen
Ernte im ersten Jahr geringe Ausbeute Wurzel im zweiten Herbst ernten
feuchte Wurzeln einlagern Schimmelgefahr vollständig trocknen lassen

Fazit: Baldrian ist pflegeleicht, wenn der Standort stimmt

Echten Baldrian zu pflanzen lohnt sich für alle, die eine robuste, mehrjährige und ökologisch wertvolle Heilpflanze im Garten haben möchten. Die Staude passt besonders gut an sonnige bis halbschattige, frische bis feuchte Plätze. Bei der Aussaat zählt vor allem eines: Die Samen brauchen Licht und dürfen nur angedrückt werden. Danach ist Baldrian unkompliziert, solange der Boden nicht austrocknet und im Topf keine Staunässe entsteht.

Die eigentliche Ernte braucht etwas Geduld. Wer kräftige Baldrianwurzeln gewinnen möchte, wartet idealerweise bis zum zweiten Jahr und erntet im Herbst. Anschließend müssen die Wurzeln gründlich gereinigt, zerkleinert und vollständig getrocknet werden. Als traditionelle Heilpflanze verdient Baldrian einen verantwortungsvollen Umgang. Für den Garten ist er aber vor allem eines: eine starke Staude für naturnahe, lebendige Pflanzungen.

FAQ: Häufige Fragen zu Echtem Baldrian

Ist Echter Baldrian winterhart?

Ja, Echter Baldrian ist winterhart und treibt im Frühjahr wieder aus. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Herbst meist zurück. Ein leichter Rückschnitt im Herbst oder Spätwinter reicht aus.

Wann sät man Baldrian aus?

Die Vorkultur im Haus ist ab März oder April möglich. Direkt ins Beet kann Baldrian ab Mai gesät werden. Da die Samen Licht zum Keimen brauchen, werden sie nur auf die Erde gedrückt.

Welchen Standort braucht Echter Baldrian?

Baldrian wächst am besten sonnig bis halbschattig. Der Boden sollte humos, nährstoffreich und frisch bis feucht sein. Sehr trockene oder stark verdichtete Standorte sind ungünstig.

Kann Baldrian im Topf wachsen?

Ja, Baldrian kann im Topf wachsen, braucht aber einen großen und tiefen Kübel. Der Topf muss Abzugslöcher haben, damit keine Staunässe entsteht. Auf heißen Balkonen muss häufig gegossen werden.

Wann erntet man Baldrianwurzel?

Die Wurzel wird meist im zweiten Jahr im Herbst geerntet. Dann hat die Pflanze genügend Wurzelmasse aufgebaut. Nach der Ernte werden die Wurzeln gereinigt, zerkleinert und schonend getrocknet.

Kann man Baldrianblüten verwenden?

Die klassische Verwendung konzentriert sich auf die Wurzel. Die Blüten sind vor allem für Insekten interessant und machen die Pflanze dekorativ. Für Tees und Präparate wird überwiegend die getrocknete Baldrianwurzel genutzt.

Ist Baldrian für Katzen interessant?

Ja, viele Katzen reagieren auf den Geruch von Baldrianwurzel. Besonders getrocknete Wurzeln können stark duften und Haustiere anlocken. Lagern Sie getrocknete Wurzeln deshalb sicher und gut verschlossen.

Hilft Baldrian sofort beim Einschlafen?

Baldrian wirkt nicht wie ein sofortiges Schlafmittel. Viele Präparate setzen auf eine regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen. Bei starken oder länger anhaltenden Schlafproblemen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

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